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Es sind meist traurige Anlässe, zu denen Nachrufe geschrieben werden. Und meist ist der Betreffende tot, wenn man sich hinsetzt um seine Eigenschaften und Eigenheiten in den schillerndsten Farben zu schildern. Doch noch ist es zu früh. Kim Schmitz ist noch nicht tot. Er hat seinen Tod angekündigt - für seinen 28. Geburtstag - nächsten Montag. Live und im Internet soll dieser Tod präsentiert werden. Höchstwahrscheinlich benennt sich Kim Schmitz in einer wahnsinnig originellen Aktion um - oder er macht etwas total unerwartetes. Dafür haben wir ihn geliebt und geschätzt. Er brachte immer etwas neues, worüber man lachen konnte. So zum Beispiel die Geschichte mit den 20 Millionen, die er Greenpeace überwiesen haben sollte. Und es haben sich tatsächlich Zeitungen gefunden, die das gedruckt haben. Kim Schmitz - eine Realsatire auf zwei Beinen. In häßlichen Schuhen. Was ihn am meisten wurmen dürfte: jetzt, wo er auf sein nicht allzu langes Leben zurückblickt - er hat kein einzigartiges Leben geführt. Die New Economy hat schrullige Millionäre zu Hauf hervorgebracht. Selbst ein Größenwahnsinniger, der Horizontalbohrsysteme nur zum Schein verkaufte, bekommt zehn Mal so viel Presse wie unser Vorzeigeunternehmer der New Economy. Wie kann man auch nur mit einem Namen wie Schmitz gestraft sein. Schmitze sind durchschnittlich, Schmitze gibt es wie Sand am Meer. Ein Schmitz wird geboren, ein Schmitz stirbt - wen interessiert es? Ein Schmitz gibt Parties, ein Schmitz wird wegen Kapitalanlagebetrug belangt - wen interessiert es? In der Zeit hat ein ganz anderer Schmitz ein Haus gebaut, die Hecken im Garten gestutzt, ein Kind gezeugt. So ist das Leben. Wenn auch Kim Schmitz stirbt - es wird nichts von ihm bleiben. Ein Haufen Papier, der nicht einmal drei Jahre überdauern wird. Und wenn in fünf Jahren der nächste Aufschneider durchs Land zieht, wird vielleicht jemand an ihn denken. "Das ist doch wie damals die Geschichte von dem - wie hieß er noch? - genau: Meier. Wie bei dem Meier."
18.01.2002 SPON: Krank |
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